Claus Helfenschneider

Freelance 3D Artist
Direction, Design, Animation, Programming

Archive for September, 2010

Über zeitgemäße digitale Kunst

Date:
2010/09/07

Das Ars Electronica Festival zeigt im Rahmen der CyberArts jedes Jahr ausgewählte und mit Preisen honorierte Arbeiten digitaler Kunst — wobei “digitale Kunst” gemeint ist als Sammelbegriff für (technologiebetonte) Medienkunst, interaktive Kunst und digitale Musik. Heuer stechen dabei besonders zwei Aspekte besonders heraus: Das außergewöhnliche Raumkonzept des Geländes der Tabakfabrik, und eine mehr oder weniger stark bemerkbare Trendwende weg von interaktiven, technik-überakzentuierten und inhaltsüberladenen Familien-Attraktionen zurück zu doch wieder eher subtilen, auratischen, formbetonteren Werken. Dabei handelt es sich tatsächlich um einen Pendelschwung “zurück”; in den achziger-Jahren gab es beim Prix Ars tatsächlich noch eine eigene Kategorie für digital erstellte Bilder — leider abgeschafft; unter interaktiver Kunst verstand man wirklich — in kürzerer Vergangenheit fast undenkbar — einmal etwas anderes als “auf einen Knopf drücken, damit etwas spektakuläres passiert”. Ein großartiges Kunstwerk dazu übrigens Vadim Fishkins Magic Button (2007) [1]. Zurück aber zur ARS: Die wohl beste Arbeit ist ironischerweise nicht digital: Never Ever (Benjamin Bergmann) .


Benjamin Bergmann: Never Ever. Von [2].

Äußerst gut das (wie gewohnt) höchst schwammige, aber wohl recht aktuelle Leitthema der Ars “Repair” kommentierend, die Gedanken unweigerlich in Gang setzend, einfach köstlich. Höchste Zeit wieder “höher [zu] hängen” ist hier formal und inhaltlich die Devise.


Ryoichi Kurokawa: Rheo: 5 Horizons [3].

Weiters sehr schön: Rheo: 5 Horizons. Sehr gut unterstützt durch die Räumlichkeiten der Tabakfabrik; endlich etwas, wo sie keinen Studenten mit “Repair”-T-Shirt hinstellen mussten, der gleich schreiend auf einen zuläuft: “Haben sie sich den Text dazu schon durchgelesen oder wissen Sie leicht schon worums geht????”. Ganz ehrlich: Endlich mal was, wo nicht der Text alleine schon die große Kunst ist, sondern das Werk für sich steht, und per se eine kontemplative Anschauung ermöglicht. Davon gab es noch mehr: Squidsoup: Ocean Of Light: Surface, Leo Pschta: Windrecordeer SR-1, Gordan Savicic & Leo Peschta: WERP_BOT — zweifellos die beste interaktive Arbeit, die dem “Tschick” rufenden Besucher eine Zigarette in den Mund wirft. Die überwältigende Erregung des Augenblicks hinterlässt beim Raucher ein Gefühl der Erleichterung und Befriedigung; sein Coolness-Faktor ist sichtlich gesteigert.


Gordan Savicic & Leo Peschta: WERP_BOT [4].

Weiters Finnbogi Pétursson: Earth, die Fotografieserie My husband and me, me and my wife von Nico Ferrando, Die Laser-Portraits fade-out von Dalto Manabe & Motol Isibashi (okay, das ist wohl ein “Knopf-drücken-Staunen”-Arbeit, aber eine das pure Spektakel mit dem Ansprechenden, Mehrschichtigen, rohen Formalen vereinende), Chapter I: The Discovery von Félix Luque Sánczhez, Jonathan Schipper: Measuring Angst und Thomas Thwaites großartiges Toaster Project.


Jonathan Schipper: Measuring Angst. Von [5]


Félix Luque Sánczhez: Chapter I: The Discovery.


Dalto Manabe & Motol Isibashi: fade-out.

Diese Arbeiten zu beschreiben wäre zum einen viel zu viel Arbeit und Texte und Bilder würden diesen Werken ohnehin nicht gerecht. Ansehen!

Braun Tube Jazz Band (Ei Wada) war eine tolle Performance, von denen es zwar eine Hand voll, aber trotzdem zu wenige (gute) gab.


Ei Wada: Braun Tube Jazz Band.

Die Ars dieses Jahr also wirklich sehenswert, die trotz Ars-Themenwahl guten Arbeiten, und das Gelände, das jeder Arbeit gehörig Raum gibt, lohnen sich gesehen gesehen zu werden.

Was fehlt in den oben genannten Arbeiten? Gut gemeinte Weltverbesserer-Selbstbejahung, Bio-Wahnsinn, Öko-Paranoia, Das-Ohnehin-Schlechte-Schlechtredende, hoffnungslose Inhalts-Überladung, Formlosigkeit. Und das ist gut so.

Mist ist ist trotzdem genug dabei. Tipp: Einfach schnell weitergehen, bevor man angequatscht wird. Dann bleibt mehr Zeit, um sich zuhause in hedonistischer Manier einen BigMac reinzustopfen und eine Nachmittags-Richtersendung zu schaun, was um Häuser besser als so mancher Beschreibungstext von Wir-Sind-Die-Guten-Schaut-Auf-Das-Übel-Dieser-Welt-Steht-Doch-In-Der-Beschreibung-Pseudo-Kunstwerken. Looking forward to The External World!!!!!


[1] von Philosoph und Kulturwissenschaftler Robert Pfaller äußerst treffend analysiert: http://www.vadimfishkin.si/texts/robert_pfaller.html.
[2] http://www.flickr.com/photos/tschoerda/4954357009/.
[3] http://www.ryoichikurokawa.com/.
[4] http://www.yugo.at/werpbot/.
[5] http://www.coolhunting.com/culture/jonathan-schipp.php.

Repair / Updates

Date:
2010/09/06

Whow, quite some time of inactivity here… Yet, stuff has happened. Alexandra and me are blogging Berlin-Updates and -Experiences on blog.alexandrafried.com.

We just came back from the ARS Electronica Festival (Tagline “Repair”), which was great this year. Be shure to check it out if you can. It was great to see Dorian Concept and James Blake there, two guys whose music I really love (former I have worked with once, latter I have taken music from for another piece of animation). David O’Reilly is about to release his new short, The External World, which I am eagerly awaiting to watch. Mount Kimbie in Session at Gilles Peterson’s Worldwide show this week, also really enjoyed this one. Seen Nosaj Thing at the Icon Club a week before, was nice too. Musicwise, so to say, everything is fine, and I’m also looking forward to some big dates in Berlin, too.